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The Elements · Daria Troitskaia 1 / 1
Interview

INTERVIEW

Daria Troitskaia

DariaTroitskaia

Fotografin/Art Director Daria Troitskaia Photo Assistant: Olga Nosova Model Beatrice Location Sliema, Malta Kamera Leica S3 mit Elmarit-S 1:2.8/45 ASPH. (CS)

In ihrem neuen Projekt widmet sich die Fotografin Daria Troitskaia den vier Elementen. Den Anfang machen die Schwarzweißbilder über Luft und Erde. Um ihre Idee zu visualisieren, verwendete sie verschiedene Requisiten; jedes Objekt wird dabei zum Teil der Botschaft.

Was war der Anlass für die Serie?
Inspiriert von den starken Winden der Maltesischen Inseln, habe ich vor einer Weile beschlossen, die vier Elemente der Materie – Luft, Wasser, Feuer und Erde – mit den Mitteln der künstlerischen Fotografie darzustellen. Diese Serie umfasst die ersten beiden Teile, Luft und Erde, die ich auf Malta aufgenommen habe. Ich entschied mich, Luft durch die Kraft des Windes zu zeigen, indem ich schwarze Textilien verwendete, die um die Modelle herum schwebten. Das Bild einer schwarzen Kugel wurde zu einer Anspielung auf die Erde.

Die Textilien lösen zugleich Schwingungen aus, entwerfen verschiedene Geometrien. Was bedeutet Form für dich?
Formen verbessern unsere Wahrnehmung und vereinen einzelne Elemente des Fotos. Sie haben alle eine bestimmte Bedeutung und sind wichtig für den Aufbau des Rahmens. Die Geometrie ist ein essenzielles Element der Komposition. Geometrische Komposition hat bekannte Prinzipien wie die Drittel-Regel, den Goldenen Schnitt, das Seitenverhältnis und den Kamerawinkel. Sie ermöglichen es, die Hauptelemente des Bildes zu betonen und sie so besser sichtbar zu machen. Diese Regeln sind immer in meinem Hinterkopf, wenn ich ein Foto mache.

Die brüchigen Klippen und das raue, stürmische Meer im Hintergrund scheinen im Kontrast zur Sinnlichkeit des Models zu stehen – war das dein fotografischer Ansatz?
Das würde ich so nicht sagen. Rauer Seegang war wichtig, um den zu Wind visualisieren. Die Sinnlichkeit meiner Modelle ergänzt die Bewegungen des Windes und des Meeres. In der brütenden Hitze der Sommermonate steht alles so still. Wenn der Wind endlich kommt, bringt er Leben und Bewegung. Die Kamera friert die Wellen in der Zeit ein, sodass wir sehen können, was sonst unbemerkt vorbeigehen würde.

Du lebst auf Malta, was fasziniert dich an der Insel?
Ich bin vor drei Jahren nach Malta gezogen, um die Vorzüge zu genießen, die die Insel einem Fotografen zu bieten hat; die Sonne, ideales Licht, leuchtende Farben. Wenn ich mich an einem neuen Ort niederlasse, versuche ich immer, seinen Geist zu verstehen, etwas über seine Geschichte und Kultur zu lernen und in den Schuhen der Einheimischen zu gehen. Vor Kurzem habe ich ein Buch mit Straßenfotos der Insel veröffentlicht, das den Titel „Maltese Exposures“ trägt. Mein Buch wurde zum Spiegelbild meiner eigenen Faszination für die Landschaft und die Menschen. Malta ist aber nicht mein endgültiges Ziel, ich bin nur auf der Durchreise. Ich bin ständig auf Reisen und habe keine starke Bindung an die Insel. Jedes Jahr verbringe ich einen Monat in Russland, meinem Heimatland, um mich zu verändern und mich wieder mit meinen Wurzeln zu verbinden. Mein nächstes Ziel ist Italien, und ich freue mich darauf, in ein neues Land umzuziehen.

Trotz der Farbenpracht der Insel hast du in Schwarzweiß fotografiert …
Der Künstler verwendet die Technik, die seine Idee am besten darstellt. Ich arbeite sowohl in Farbe als auch in Schwarzweiß, aber für diese beiden Teile der Serie habe ich Schwarzweiß gewählt, da die Farbe den Betrachter von der Idee, die ich vermitteln wollte, abgelenkt hätte. Die Abwesenheit von Farbe schärft die Wahrnehmung des Betrachters. Phänomene wie Rauch, Schatten und Farbverläufe stechen in der Schwarzweißfotografie mehr hervor. Da wir in einer sehr bunten Welt leben, lassen Schwarzweißbilder eher den Raum für Fantasie. Im 20. Jahrhundert wurde die Welt durch den übermäßigen Einsatz von künstlichen Farbstoffen viel bunter. Manchmal muss man sich bewusst von dieser Buntheit verabschieden, um die natürliche Schönheit hervorzuheben.

Wie hat sich die Leica S3 für das Shooting geeignet?
Ich habe mit einer Leica M10 angefangen und bin dann auf eine SL2 umgestiegen. Später habe ich die Leica S3 ausprobiert und war ziemlich beeindruckt. Die Kamera ist großartig in der Farbwiedergabe. Die Fotos wirken lebendiger und räumlicher, was besonders bei großformatigen Bildern toll ist. Ich bin immer noch dabei, mich mit diesem Modell vertraut zu machen und verschiedene Objektive auszuprobieren: das Elmarit-S 45mm f/2.8, das Summarit-S 70mm f/2.5 und das APO-Macro-Summarit-S 120mm f/2.5. Was die S3 so gut macht, ist, dass sie wasser- und staubdicht ist und einen schnellen Autofokus hat. Obwohl es nicht das leichteste Modell ist, ist es bequem zu bedienen und leicht zu tragen.

Fotografie ist ein sich immer wandelndes Medium – was ist für dich das Besondere daran?
Kunst war immer ein wesentlicher Teil meines Lebens. Schon als Kunststudentin habe ich die Arbeiten anderer oft mit einem kritischen Auge betrachtet, den Fokus verschoben, den Hintergrund verändert und die Aufnahme in meinem Kopf neu arrangiert. Die professionelle Fotografie wurde bald ein unvermeidlicher Schritt für mich.

Wie geht man als Fotografin „mit der Mode“, wie entwickelt man sich weiter?
Ich habe eine Trennung zwischen männlichen und weiblichen Fotografen nie gemocht. Ich denke, das Endergebnis ist wichtig. Das Geschlecht ist im künstlerischen Bereich irrelevant. Ich möchte meine eigene Vision und Erfahrung auf den Betrachter projizieren und der Landschaft einen abstrakten Ansatz geben, der sie zu einem Kunstobjekt macht. Nur wenn man Trends vorwegnimmt, kann man ihnen wirklich folgen, seine Ansichten und Einzigartigkeit entwickeln und sein wahres Selbst bleiben. Übung macht den Meister. Ich übe ständig, um besser in dem zu werden, was ich tue.