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Stirnband Chanel Jumpsuit Chanel Rucksack Chanel
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Mantel Issey Miyake
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Boots DSQUARED2
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Kleid Sacai Sleeves Sacai
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Simulacrum · Mynxii White 1 / 1
Interview

INTERVIEW

Mynxii White

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FOTOGRAFIE & FILMREGIE Mynxii White STYLING Douglas VanLaningham @ Photogenics Army ART DIREKTOR Robert Standlee MAKE-UP Spencer Barnes, Spencer Wells HAARE Preston Wada Foto-Assistenz Meg Wilbur STYLING-ASSISTENZ Jeremy Friend  Cinematographer Ben Cope Musik Matt Schaefer Special Effects Ally McGillicudy $Art Department$ Nathan Martinez, Brenden Ruiz, Amoura Gonzalez MODELS Ava McAvoy, Ema McKie KAMERA Leica SL mit Vario-Elmarit-SL 1:2.8-4/24-90 ASPH. und Apo-Summicron-M 1:2/75 ASPH.

In „Simulacrum“ erzählt Mynxii White die Geschichte eines Wesens, das, verlassen in den Weiten des Weltraums, sich selbst klont, um der Einsamkeit zu entrinnen. In die jeweiligen Rollen schlüpften die Models Ava McAvoy und Ema McKie, und für die passenden Looks sorgte der Stylist Douglas VanLaningham.

Du hast das erste Mal mit dem S Magazin zu tun gehabt, als du für das Make-up der Ellen-von-Unwerth-Ausgabe verantwortlich warst. Außerdem hast du bei dieser Produktion auch als Model mitgemacht. Wie würdest du diese Erfahrung beschreiben?
Mit Ellen von Unwerth zusammenzuarbeiten, war die Erfüllung eines Traums. Sie war eine Legende, und ich hätte nie zu hoffen gewagt, dass ich jemals das Privileg haben würde, sie kennenzulernen, geschweige denn, mit ihr zu arbeiten. Ihre Sets waren magische Orte, und sie transportierte alle in ihrem Team in ihre persönliche Fantasiewelt. Ich liebte es, mit ihr gemeinsam kreativ zu sein, besonders da sie jemand ist, den ich schon mein ganzes Leben lang verehrt hatte. Als ich dann auch noch die Chance bekam, für sie zu modeln, war mein Glück perfekt. Es war eine einmalige Erfahrung, und ich werde für immer dankbar sein, dass ich an dem Projekt teilhaben durfte.

Dein Kontakt zum S Magazin ist seither nie abgebrochen – denn als diese Produktion beendet war, hast du den Entschluss gefasst, selbst Fotografin zu werden. Wie kam es dazu?
Ich war zutiefst inspiriert von den starken Frauen, die ich kennengelernt hatte, Ellen miteingeschlossen; und es war immer schon mein Traum gewesen, meine Fantasien in Realität zu verwandeln. Ich arbeite jetzt seit fünf Jahren als Creative Director, und im Lauf der Zeit ist der Wunsch, selbst zu fotografieren, immer stärker geworden. Ich hatte in dieser Zeit das enorme Glück, mit Bil Brown zusammenzuarbeiten, und bekam meine erste Kamera geschenkt, zusammen mit einer extensiven Einführung in mein neues Vorhaben. Ihm habe ich wirklich alles zu verdanken, denn er hat nicht nur meinen Karriereweg, sondern mein ganzes Leben verändert. Ich entdeckte ein neues Ventil für meine Kreativität und eine komplett neue Lebenseinstellung. Alles funkelt und glitzert, und den gestalterischen Möglichkeiten meiner Gedanken sind keine Grenzen gesetzt. Endlich hab ich die Flamme gefunden, die mir stetigen Antrieb gibt, sodass ich jeden neuen Tag mit Freuden beginne.

Fandst du den Umstieg eher reibungslos, oder sahst du dich mit unerwarteten Herausforderungen konfrontiert?
Die Entscheidung, einen neuen kreativen Weg einzuschlagen, traf in meinem Familien- und Freundeskreis auf eine überwältigend positive Reaktion. Die Stimmungslage könnte wohl am besten mit „NA ENDLICH!“ zusammengefasst werden – als hätten sie darauf gewartet, dass ich den Mut aufbringe, die Zügel meiner eigenen Konzepte zu übernehmen. Diese Unterstützung und auch die Möglichkeiten, die sich mir nach diesem waghalsigen Sprung ins Ungewisse eröffnet haben, sind einfach umwerfend, und ich bin so dankbar für jeden Schritt, der seither gefolgt ist. Es gibt aber auch ein paar Leute, die sich ein wenig von mir distanziert haben, seit ich zur Kamera gegriffen habe. Es macht mich unweigerlich traurig, dass sie anscheinend nicht daran glauben, dass genug Erfolg und Anerkennung für uns alle da ist. Mit diesem illusorischen Wettbewerbsdenken habe ich in der Branche bereits ein paar schmerzliche Erfahrungen gemacht. Ich bin seit jeher der Meinung, dass wir nicht um unseren Platz in der Welt buhlen müssen. Es mag naiv klingen, aber ich bleibe der Überzeugung, dass unsere Visionen und ihre Ausführungen so unterschiedlich und einzigartig sind, dass jeder, der einen kreativen Weg einschlägt, auf seine Kosten kommen kann. Ich kann nur hoffen, dass es die Zeit vermag, Menschen und Ideen wieder zusammenzuführen, sodass wir alle unseren Teil dazu beitragen können, Schönheit in die Welt zu bringen – schrittweise, Bild für Bild.

Das Projekt „Simulacrum“, das du für das S Magazin produziert hast, umfasst eine Fotostrecke und ein Video. Es war aufwendiges Unterfangen – liebst du Herausforderungen?
„Simulacrum“ war die größte Herausforderung meiner bisherigen Karriere, auch auf einer emotionalen Ebene. Aber das Resultat war aller Mühe wert. Ich bin unvergleichlich stolz auf dieses Projekt, denn ich konnte damit mir selbst und all jenen, die mich weiterhin lieber „nur“ als Visagistin sehen würden, beweisen, dass ich alles erreichen kann, was ich mir vornehme. Manche gaben mir den Rat, weiterhin „bei dem zu bleiben, was mir liegt“, und wollten mich entmutigen, dieses neue Abenteuer zu verfolgen. Aber ich weigerte mich einfach, auf sie zu hören, und habe mich stattdessen darauf konzentriert, etwas Tolles daraus zu machen. Für mich ist Widerstand wie der Wind in meinen Segeln – anstatt mich aufzuhalten, treibt er mich an. Zu jener Zeit hatte ich nicht besonders viel Geld, aber ich war von solcher Überzeugung, dass ich meine gesamten Ersparnisse einsetzte – und ein paar Gefallen einforderte. Ich hatte das enorme Glück, ein fantastisches Team um mich zu haben, das mir dabei half, das Projekt zu verwirklichen. Wir sind nur so stark, wie wir vereint sind. Ohne ein gutes Team ist eine Idee nichts als ein abstrakter Gedanke und kann sich auch nie zu etwas anderem entwickeln.

„Eine Symphonie kann man nicht allein spielen. Dazu bedarf es eines Orchesters.“ – Navjot Singh Sidhu

Welche Geschichte erzählst du in „Simulacrum“?
Die Protagonistin ist ein Wesen, dem bewusst wird, dass es nicht mehr allein sein will. Erst sehen wir ihr zu, wie sie Pflanzen erschafft, um den sterilen Raum, der sie umgibt, mit Leben zu füllen. Aber das ist ihr nicht genug: Sie lernt, ein Lebewesen zu klonen, wie brutal es auch sein mag. Nun ist sie nicht mehr allein in ihrer Welt.

Du setzt in dieser Strecke reduzierte Farben ein – Grau, Silber, ein wenig Grün, auch Nude-Töne. Was war der Grund für diese farbliche Zurückhaltung?
Ich wollte den Lebensraum der Protagonistin möglichst klinisch kalt und leer darstellen, ohne jegliche Anzeichen von Leben oder Liebe. Die Farben offenbaren sich dann simultan mit der Entstehung ihrer Ideen, die sich als Grüntöne in den Pflanzen manifestieren.

„Simulacrum“ hast du mit der Leica SL fotografiert und gefilmt, und du arbeitest auch oft mit einer M8. Welche Rolle spielen diese Kamerasysteme für deine Arbeit?
Alle Kameras der M-Linie haben einen besonderen Platz in meinem Herzen; ich liebe die außergewöhnliche Schönheit der Farben, die sie einfangen. Jede M hat ihre eigene Persönlichkeit und ihre eigene Art, eine Farbpalette zu interpretieren. Die SL ist ein Ungetüm – eine großartige Kamera, die sehr viel zu bieten hat. Sie schafft jede Aufgabe, jederzeit, für jedes Projekt. Am liebsten habe ich bei einem Shooting eine M und die SL simultan zur Hand. Das gibt mir Zugang zu einer größeren Spannbreite von Stimmungen, die ich zur endgültigen Bilderreihe hinzufügen kann. Die Videoaufnahmen der SL sind unglaublich – sie setzen meine Vision perfekt um. Die M8 war meine erste Leica. Sie hat eine wunderbare Art, Strukturen einzufangen, und ist für mich fast ein wenig wie mein Kind. Die M10 fängt Farben in einer verträumten, nahezu pastellenen Weise ein. Ich liebe es, mit ihr zu arbeiten, wann immer sich die Möglichkeit ergibt. Die Farbwiedergabe der M240 hat dagegen eine etwas mehr maskuline Anmutung. Ihre Videos haben einen gewissen Retro-Charme, den ich absolut liebe. Die Q ist wie eine kleine Schwester der SL, die ich bei jedem Shooting dabeihaben muss. Die Q ist ein guter Ersatz, sollte die SL mal nicht sofort zur Hand sein. Ihr kompaktes Gehäuse macht sie perfekt für Location-Shootings und für unterwegs. Jede dieser Kameras hat ihren eigenen Charakter – ich könnte mich niemals nur für eine von ihnen entscheiden. Sie sind einfach hervorragend, und die Qualität der Bilder, die sie erzeugen, ist eine reine Freude.

Was sind deine Ziele in der Fotografie – wohin soll deine Reise gehen? Und wie passt dieser neue Weg zu deiner Arbeit als erfolgreicher Make-up-Künstlerin?
Mein Wunsch ist es einfach, weiterhin etwas zu erschaffen und künstlerisch tätig zu sein, in welcher Kapazität auch immer mir das ermöglicht wird. Mich selbst in eine Ecke zu treiben, indem ich mich ausschließlich auf die eine oder andere Rolle festlege, würde nichts erreichen, als meine kreativen Ausdrucksmöglichkeiten zu verringern. Ich will mir meine Ziele nicht mehr durch das Schubladendenken der anderen einschränken lassen. Am liebsten würde ich einfach unter der Bezeichnung „Künstlerin“ weiterhin meinen Weg gehen und sehen, wohin er mich führt. Ich wollte nie etwas anderes machen, als kreativ zu sein. Das Medium ist gar nicht so ausschlaggebend, solange es darum geht, Ideen zu verwirklichen. Das ist es, was durch meine Adern fließt und mein Leben wirklich ausmacht.