Digitale FeaturesCome Slowly, EdenJoachim Baldauf
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Come Slowly, Eden · Joachim Baldauf 1 / 1
Interview

INTERVIEW

Joachim Baldauf

2018_Portrait

Foto: Marina Geckeler

Fotografie: Joachim Baldauf Konzept und styling: Alexander Hofmann (c/o Uschi Rabe) Model: Linus Weber (c/o Modelwerk) Creative Director: Dirk Meycke Production: Winteler Productions Kamera: Leica S (Typ 007) mit Summarit-S 1:2.5/70 ASPH. (CS)

Die Tulpe steht für Wohlstand, die Magnolie für Respekt: In ihrem gemeinsamen Projekt widmen sich Hair- und Make-up-Designer Alexander Hofmann und Fotograf Joachim Baldauf der Symbolik von Blumen. Und lassen sie dadurch sprechen.

Traditionell schenkt der Mann einer Frau Blumen, bei euch trägt er sie selbst am Körper. Welche Idee steckt dahinter?

Alexander Hofmann: Das Konzept für das Shooting spukte schon lange in meinem Kopf herum. Ich wollte zwei eher konträre Dinge gemeinsam zeigen und damit Spannung erzeugen. Ich mochte das Thema „Mann und Blume“ wahnsinnig gern, weil der Kontrast nicht größer hätte sein können.

Joachim Baldauf: Für mich war das Männerthema immer schon interessant. Es herrschen da gewisse Stereotype, die ich versuche, in meinen Arbeiten aufzubrechen. Normalerweise existiert in den Köpfen die Verbindung „Blume und Frau“. Die Kombination „Mann mit Blumen“ soll den Blick der Leute dafür öffnen, nicht alles und jedem einen Stempel aufzudrücken. Vielleicht bin ich ja ein bisschen Hippie, aber ich will den Männern sagen: Entdeckt eure weiche Seite!

Was verbirgt sich hinter dem Titel der Serie?

Alexander Hofmann: Der Titel ist einem Gedicht von Emily Dickinson zu verdanken. Darin geht es eben im Kern darum, dass auch Männer eine sehr verletzliche Seite haben können. Es handelt von einem schüchternen Mann, der Eden heißt und nur zögerlich den Mut findet, seine Liebe und Zuneigung zu einer schönen Frau zu zeigen.

Wie seid ihr euch für dieses Projekt begegnet?

Alexander Hofmann: Joachim war für mich eigentlich von Anfang an mein Wunschfotograf. Wir kennen uns schon seit einigen Jahren, und ich schätze ihn sehr für seine sensible Art, mit Menschen umzugehen. Zudem wusste ich auch um seine botanische Begeisterung …

Joachim Baldauf: Ja, da hat Alex bei mir offene Türen eingerannt. Ich bin ein Pflanzen- und Blumenfreak. Mein Bruder ist Gärtner, Florist und Blumenkünstler, und durch ihn habe ich meine Liebe zur Botanik entdeckt. Erst neulich war ich mit ihm auf einer Gartenschau.

Für das Shooting habt ihr verschiedene Arten Blumen verwendet, aber auf ein Model gesetzt, das immer nackt ist. Warum?

Alexander Hofmann: Es gibt mehrere Blumen, die mir sehr wichtig waren, weil sie sehr bedeutungsvoll sind. Die Kaiserkrone etwa steht für den Hochmut, der vor dem Fall kommt, und die Akelei für den verlassenen Liebhaber und den heiligen Geist. Zudem gibt es noch ein paar optische Highlights wie die Papageientulpe und den Magnolienzweig. Die Nacktheit haben wir deshalb gewählt, um durch Kleidung nicht noch einen Parameter im Bild zu haben. Das hätte nur abgelenkt.

Joachim Baldauf: Für ein fotografisches Projekt ist es immer wichtig, ihm eine Metaebene, mehrere Interpretationsmöglichkeiten, zu geben. Nicht nur die Ästhetik zählt, sondern auch der zweite Blick. In diesem Fall ging es eben auch um die Bedeutungen, die die Blumen haben. Eine Rose ist ja etwas anderes als ein Kaktus. Auf den Bildern verbinden sich die Blumen nahezu mit dem Körper – man könnte sie auch als Accessoires verstehen oder als die Kleidung selbst betrachten.

Für den Betrachter wirken die Bilder in ihrem Stil und ihrer Ästhetik nahezu zeit- und raumlos …

Joachim Baldauf: Das ist genau das, woran ich arbeite: Fotos zu machen, die zeitgenössisch wirken, die man aber zeitlich nicht zuordnen kann. Es können alte Fotos sein, aber man hat nicht das Gefühl, dass sie alt sind. Wichtig ist, dass man ein aktuelles Thema mit seinem eigenen, zeitlosen Blick umsetzt. Es ist wie mit der Mode: Rennt man ihr hinterher, fällt man irgendwann aus der Zeit. Behält man aber seinen Stil, tut man das nicht. Die Aufnahmen sind in einem Münchner Studio entstanden. Mit schlichtem Hintergrund und meist indirektem Licht.

Wie habt ihr euch auf das Shooting vorbereitet beziehungsweise es umgesetzt?

Alexander Hofmann: Ich habe beim Design auf die gesamte Ästhetik und das Zusammenspiel von Mimik, Gestik, Körper und Blumen geachtet. Die Bilder, die so entstanden sind, zeigen eine sehr enge Beziehung zwischen Model und Blumen. Das Motiv mit der Kaiserkrone vermittelt schon fast den Eindruck einer sinnlichen Umarmung.

Joachim Baldauf: Zuerst habe ich ein Konzept geschrieben und Skizzen gezeichnet. Ich muss mich gedanklich immer gut vorbereiten, aber erst wenn ich alles auf Papier habe, kann ich loslegen. Fotografiert habe ich mit der Leica S. Nach wie vor ist diese Kamera mein Favorit. Sie passt 100-prozentig zu mir, vom Handling, der Größe, dem Gewicht und auch von ihrer Ästhetik. Seit 20 Jahren arbeite ich mit einer 70-Millimeter-Brennweite, so auch in dieser Serie. Diese Brennweite ist sehr nah an meinem eigenen Blickfeld. Und ich will ja Bilder machen, so wie ich sie selbst sehe.

Ein Bild sieht aus, als hättest du Rotlicht eingesetzt …

Joachim Baldauf: Da habe ich nachträglich einen Rotfilter verwendet. Aber ich bin kein großer Fan von sichtbaren Photoshop-Effekten. Ich reduziere mich da sehr, nehme Veränderungen so vor, wie man sie im Labor hätte auch herstellen können. Anders gesagt: Ich stelle einen analogen Look digital her.

Da ihr euch so für Blumen begeistert – habt ihr denn eine Lieblingsblume?

Alexander Hofmann: Tatsächlich ist das bei mir saisonal bedingt. Wo im Februar die ersten Tulpen mein Herz erobern, sind es im Sommer die Dahlien und im Herbst die Sonnenblumen. Wir haben einen über 13 Jahre gewachsenen Garten, in dem alles erlaubt ist. Diese sich abwechselnde Vielfalt liebe ich am meisten.

Joachim Baldauf: Für mich gibt es keine hässliche Blume. Aber es gibt Blumen, mit denen ich etwas verbinde. Ganz besonders mit dem Löwenzahn. Er bedeutet für mich Kindheit und Glück, Farbe und Geruch. Ich bin im Allgäu groß geworden, und dort gab es im Frühling ganze Wiesen mit gelb blühendem Löwenzahn. Ich weiß, er ist unspektakulär, aber er ist meine absolute Lieblingsblume.